In meiner Publikation „3 Gründe, warum KI Sie niemals so coachen kann wie ein Mensch“ erfahren Sie, was wir für tiefgreifende Veränderungen wirklich brauchen. Heute gehe ich einen Schritt weiter und beantworte die Frage, wie KI – konkret ChatGPT – Coaching sinnvoll bereichern kann.

Die Ausgangssituation meiner Klientin Sandra: Dauerlauf ohne Pause

Sandra leitet eine Business Unit in der Pharmaindustrie. Ihre Arbeitstage fühlen sich für sie an wie ein Spagat zwischen operativer Arbeit, Meetings und Entscheidungen – und am Ende bleibt oft das Gefühl, nicht genug geschafft zu haben. Täglich stellt sie wichtige Weichen im Spannungsfeld von operativem Druck, strategischem Anspruch und widersprüchlichen Erwartungen. Besonders herausfordernd ist für sie dabei die Balance zwischen den Vorgaben des Top-Managements und der tatsächlichen Leistungsfähigkeit ihres Teams. Genau diese Situation fordert sie fachlich wie emotional.

Um einen geschützten Raum für Reflexion, für die Klärung wichtiger Fragen und die gezielte Entwicklung ihres Teams zu haben, hat sie sich für ein EXPRESS Sparring für Führungskräfte mit mir als Coach entschieden. Als ihr Unternehmen begann, KI verstärkt einzusetzen, wollte sie ChatGPT aktiv als Arbeitsmittel erproben und erleben, welchen Mehrwert es für ihre Führungsrolle bringen kann. Also wagten wir gemeinsam ein Experiment.

KI als Spiegel für mehr Klarheit

Nachdem ich Sandras Anliegen, ihre aktuelle Situation und ihre Ziele für unsere Sitzung exploriert habe, ließ ich diese Aspekte von ChatGPT als eine anonymisierte Fallskizze zusammenfassen.

Die Wirkung für Sandra: Sie erhielt eine schnelle Übersicht, die sie unmittelbar erweitern und präzisieren konnte. Ihr Anliegen wurde klarer und sie erkannte leichter, worauf sie sich im EXPRESS-Sparring fokussieren wollte.

KI als Sparringspartner für neue Perspektiven

In unseren Sitzungen nutzten wir ChatGPT als zusätzlichen Sparringspartner in einem Reflecting Team. Dafür erhielt die KI eine konkrete Expertenrolle. Aus dieser Rolle lieferte sie Wahrnehmungen, Gedanken und Hypothesen – sowie mögliche nächste Schritte.

So profitierte Sandra konkret: ChatGPT eröffnete ihr frische Perspektiven, erweiterte ihre eigenen Überlegungen und inspirierte sie zu anderen Handlungsoptionen.

Am Ende der Vertiefung mit mir und dem Probehandeln auf dem online-Systembrett wählte Sandra die Impulse aus, die ihr in ihrer Führungsrolle wirklich helfen – und erlangte dadurch mehr Klarheit und Sicherheit.

Die Methode „Reflecting Team“ (das reflektierende Team), entwickelt von Tom Andersen in den 1980er Jahren, wird in der systemischen Beratung, Supervision und in der kollegialen Fallbesprechung eingesetzt. Der Ablauf folgt einer klaren Struktur:

  • Zuhören: Die ratsuchende Person schildert ihr Anliegen; der Moderator stellt vertiefende Fragen, während das Reflecting Team das Gespräch beobachtet.
  • Spiegeln: Das Reflecting Team teilt wertschätzend Wahrnehmungen, Gedanken und Hypothesen. Die ratsuchende Person und der Moderator hören zu.
  • Vertiefen: Gemeinsam mit dem Moderator reflektiert die ratsuchende Person: Was war hilfreich, was löste Aha-Momente aus, welche Ideen möchte sie aufgreifen?

Das Reflecting Team wirkt wie ein Spiegel: Es macht neue Möglichkeiten sichtbar, ermutigt zu neuen Wegen und stärkt das Vertrauen in die eigenen Ressourcen – als wichtiger Grundstein für persönliches und kollektives Wachstum.

KI zur effizienten Vorbereitung

Wir arbeiteten in unseren Sitzungen mit dem Modell des Inneren Teams , denn es schafft Klarheit, stärkt das Selbstbewusstsein und unterstützt bessere Entscheidungen.

Dank eines präzisen Prompts, den ich Sandra vorgab, erwies sich ChatGPT als wertvolle Unterstützung. Für unseren nächsten Termin brachte sie fünf klar benannte innere Charaktere mit – jeweils mit kurzer Beschreibung und einer Kernaussage.

Der Nutzen für Sandra: Wir konnten die Arbeit am Inneren Team unmittelbar auf dem online-Systembrett vertiefen. Besonders eindrucksvoll war es für sie, ihre inneren Charaktere aus der Innensicht zu erleben. Dadurch gewann sie konkrete Erkenntnisse, die ihr helfen, Entscheidungen in unsicheren Situationen leichter zu treffen.

Sandra beschreibt ihre Erfahrung so:

Sandra, Business Unit Director in der Pharmaindustrie

Mein Fazit: KI als zusätzliche Ressource im Coaching

Für mich steht fest: Menschliches Coaching bleibt unersetzlich. Doch ChatGPT kann es wirkungsvoll ergänzen – und so die Sitzungen bereichern. Der integrative Einsatz von KI im Coaching fördert:

  • effizientere und fokussiertere Sitzungen,
  • neue Perspektiven und Lösungsmöglichkeiten,
  • tiefere Reflexion und klare Handlungsoptionen für Ihren Führungsalltag.

Für mich als Coach bedeutet das: Ich muss nicht selbst in die Expertenrolle wechseln. Stattdessen bleibe ich präsent in meiner moderierenden Coach-Rolle, begleite den Prozess achtsam und nutze meine Erfahrung und Resonanz für gezielte Interventionen. Das Ergebnis: mehr Tiefe, mehr Effizienz und mehr Klarheit für Sie.

Was Sie mitbringen sollten

Damit der Einsatz von ChatGPT im EXPRESS-Sparring auch für Sie gewinnbringend ist, sind vor allem diese Faktoren hilfreich:

  • Neugier und Offenheit, um mit ChatGPT als Arbeitsmittel zu experimentieren
  • Feedback-Bereitschaft, damit der Coaching-Prozess sich kontinuierlich verbessert
  • Urteilsvermögen, um neutrale Antworten zu erkennen und diese gegebenenfalls neu zu generieren
  • Datensensibilität, um Vertrauliches nicht in die KI-Dialoge einzubringen
  • Fähigkeit zur kritischen Reflexion, um Erkenntnisse aus den KI-Impulsen abzuleiten

Janine Müller-Dodt, Inhaberin von Müller-Dodt Healthcare Transformation, ist Systemischer Business Coach, Change Management Coach, ActeeChange-Beraterin und OKR Business Coach.

Über die Autorin

Janine Müller-Dodt widmet ihre Karriere dem Ziel, die Gesundheitsversorgung und Lebensqualität zu verbessern. Nach ihrem Abschluss in International Business Management war sie zehn Jahre lang in leitenden Positionen bei großen Pharmaunternehmen tätig. Ihre Erfahrungen mit mangelnder Transparenz und Führung während wichtiger Veränderungsprozesse motivierten sie, seit 2013 als Solopreneurin zu arbeiten. Zunächst unter ‚Janine Dodt Healthcare Consulting‘ und seit 2023 unter der Marke ‚Müller-Dodt Healthcare Transformation‘ berät, unterstützt und befähigt Janine Müller-Dodt Führungskräfte und Teams in Veränderungsprozessen, sodass sie das Neue mit Leichtigkeit erfolgreich etablieren können.

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